Von den Grundlagen bis zur Anwendung

Das Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe GmbH (IVW) ist eine gemeinnützige Forschungseinrichtung des Landes Rheinland-Pfalz und der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK). Es erforscht Grundlagen für zukünftige Anwendungen von Verbundwerkstoffen, die z.B. für die Mobilität der Zukunft, die Bereiche Energie, Klima und Umwelt, die Produktionstechnologie sowie für das Gesundheitswesen von großer Bedeutung sind. Neue Werkstoffe, Bauweisen und Fertigungsprozesse werden untersucht und – nach der Erarbeitung des Grundlagenverständnisses – für die jeweiligen Anforderungen maßgeschneidert.

Dabei steht die gesamte Prozesskette von den werkstofflichen Grundlagen über die Charakterisierung und Simulation, die Bauweisen und die Fertigungstechnik bis zum Bauteilversuch und Recycling im Fokus. Neue Ideen und innovative Konzepte sind nicht nur ein essentieller Bestandteil der Forschung und Weiterentwicklung des Institutes, sondern führen auch zu Ausgründungen. Neu erworbenes Wissen wird transferiert, vor allem in die Wissenschaft, aber auch in die Lehre, die interessierte Öffentlichkeit und die industrielle Anwendung.

Als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft erhält das Institut institutionelle Zuwendungen gemäß AV-WGL zur gemeinsamen finanziellen Förderung von Einrichtungen durch Bund und Länder (Bundesanteil 50%, Anteil des Landes Rheinland-Pfalz und der Ländergesamtheit 50%).

Prof. Dr.-Ing. Manfred Neitzel verstorben

Am 24.01.2022 ist der Gründer und langjährige Leiter unseres Hauses, unser lieber Herr Prof. Dr.-Ing. Manfred Neitzel verstorben.

Professor Neitzel, geb. 1934, studierte Maschinenbau und promovierte 1965 an der technischen Universität Hannover. 1968 habilitierte er zum Thema „Verbundwerkstoffe im Druckbehälterbau“. Ab 1969 war er bei der BASF tätig, wo er u.a. überaus erfolgreich eine Arbeitsgruppe im Bereich Forschung Verbundwerkstoffe aufbaute. Im Jahr 1990 wurde er zum Geschäftsführer des neu gegründeten Instituts für Verbundwerkstoffe (IVW GmbH) bestellt. Unser Institut baute er Schritt für Schritt mit großem Erfolg zu einem bedeutenden Partner für Wirtschaft und Wissenschaft aus. Ende 2002 schied er aus dem Institut aus, um seinen wohlverdienten Ruhestand anzutreten.

Herr Professor Neitzel war Verfasser und Herausgeber mehrerer Lehrbücher (u.a. „Die Verarbeitungstechnik der Faser-Kunststoff-Verbunde“ und „Handbuch Verbundwerkstoffe“) und zahlreicher internationaler wissenschaftlicher Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Faserverbundwerkstoffe. In die Lehre der Technischen Universität brachte er sich im Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik mit eigenen Vorlesungen zu Kunststoffen und Verbundwerkstoffen ein. Im IVW baute er mit großem Erfolg den Bereich der Verarbeitungstechnik auf und setzte besondere Schwerpunkte auf dem zukunftsträchtigen Feld der thermoplastischen Faserverbundwerkstoffe sowie auf entsprechende Industriekooperationen zum Technologietransfer. Zahlreiche wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die heute in leitenden Positionen in Industrie und Wissenschaft arbeiten, führte er zur Promotion.

Herr Professor Neitzel erhielt für seine Verdienste um den Aufbau und die Weiterentwicklung des IVW die höchste Auszeichnung des Landes, den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz. Dieser wurde ihm am 20. November 2002 in Mainz vom damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck überreicht.

Durch seine Schaffenskraft, seine positive Grundeinstellung, sein großes Geschick bei der Gestaltung von nationalen und internationalen Netzwerken, seinen Willen zu Freundschaft und zur Zusammenarbeit, seine Führungsstärke und vor allem auch durch sein besonderes Talent zur Motivation von Menschen, die ihm anvertraut waren, hat er unser Haus von Beginn an geprägt und die Grundsteine unseres Erfolges gelegt. Wir denken in großer Anerkennung und Dankbarkeit an ihn zurück.

Mit KI zu innovativeren Verbundwerkstoffen

Wissenschaftsminister Clemens Hoch:
Ein weiterer Erfolg für den Innovationsstandort Kaiserslautern

Maschinelles Lernen im Rahmen von Simulationsmodellen zukünftig noch besser für Innovationen mit Verbundwerkstoffen nutzen zu können, ist eines der Anliegen des Leibniz-Instituts für Verbundwerkstoffe GmbH (IVW) in Kaiserslautern. Im Leibniz-Wettbewerb

„Kooperative Exzellenz“ kann sich das IVW mit seinen Partnern als eines von 15 Forschungsteams im Wettbewerb durchsetzen. 56 Forschungsverbünde hatten sich insgesamt beworben. Das Projekt „Maschinelles Lernen für Simulationsintelligenz bei der Prozessauslegung für Verbundwerkstoffe“ erhält eine Förderung der Leibniz-Gemeinschaft über 3 Jahre von insgesamt 1 Million Euro.

Clemens Hoch, Minister für Wissenschaft und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz, freut sich über den Erfolg: „Indem das IVW die Möglichkeiten des Machine Learning mit den Chancen neuer leistungsfähiger Verbundwerkstoffe kombiniert, trägt es dazu bei, wichtige Grundlagen zur Lösung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben wie zum Beispiel dem Kampf gegen die Klimakrise zu legen. Zugleich ist das Projekt ein weiterer Schritt auf unserem Weg, den bundesweiten Spitzenplatz des Landes im Bereich der KI-Forschung weiter auszubauen. Mit DFKI und ITWM sind gleich zwei der vier Kooperationspartner, die das IVW für sein Vorhaben gewinnen konnte, in unmittelbarer Nachbarschaft des IVW in Kaiserslautern ansässig. Dies zeigt, wie breit und leistungsfähig die rheinland-pfälzische Wissenschaftslandschaft im Bereich der Erforschung und Nutzbarmachung Künstlicher Intelligenz aufgestellt ist.“

Das Konsortium besteht neben dem Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe GmbH aus dem Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik (WIAS) Berlin, dem Leibniz-Institut für Polymerforschung (IPF) Dresden, dem Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), beide aus Kaiserslautern. Federführend werden die beiden IVW-Wissenschaftler PD Dr.-Ing. habil. David May und Dr. Miro Duhovic sein.

Das Konsortium (s. Abbildung) erhält internationale Unterstützung durch die Professoren J. Nathan Kutz (University of Washington) und Suresh Advani (University of Delaware).

Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. mult. Klaus Friedrich

Am 29. Mai 2021 ist Herr Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. mult. Klaus Friedrich verstorben, der über viele Jahre wie kein anderer unser Haus geleitet und geprägt hat. Im August 1990 wurde er Forschungsdirektor für Werkstoffwissenschaft am damals ganz neu gegründeten Institut für Verbundwerkstoffe an der Universität Kaiserslautern. Seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Faserverbundwerkstoffe sind weltweit bekannt und gefragt.  Mehr als 900 Arbeiten in referierten Zeitschriften und Büchern haben ihn in der Stanford-Rangliste zu einem der international meist zitierten Wissenschaftler gemacht, darunter "Friction and Wear of Polymer Composites", "Application of Fracture Mechanics to Composite Materials", "Advances in Composites Tribology", "Multifunctionality of Polymer Composites" und "Structure and Properties of Additive Manufactured Polymer Components". Herrn Professor Friedrich verdanken wir die Ausbildung zahlreicher Studierender und Promovierender, die heute in führenden Positionen in Wirtschaft und Wissenschaft arbeiten. Durch seine Vorbildfunktion und Gastfreundschaft sind nachhaltige internationale Netzwerke entstanden, die den guten Ruf unseres Instituts, aber auch die Weltoffenheit Kaiserslauterns begründen. Er war u.a. aktiv in der Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde und hochkarätigen Gutachtergremien in Australien, Belgien, Hongkong, Neuseeland, Russland, Schweiz und Südafrika. Drei Ehrenprofessuren (Zhogshan University Guangzhou, University of Science and Technology of China, Wuhan University of Technology) und zwei Ehrendoktorwürden der Budapest University of Technology and Economics sowie vom V.A. Belyi Metal Polymer Research Institute of National Academy of Sciences of Belarus, Innovationspreise und Patente zeichneten seine Exzellenz aus. 2005 wurde Prof. Friedrich als „World Fellow“ des International Committee on Composite Materials ausgezeichnet. Auch mit seiner Emeritierung 2006 gab es für ihn keinen Ruhestand. Das IVW hat er die ganze Zeit über, bis vor kurz vor seinem Abschied, als treuer Berater, Gutachter und Betreuer wissenschaftlicher Arbeiten begleitet. Mit Professor Klaus Friedrich hat uns ein großer Mann verlassen. Sein Vorbild bleibt.

Das Institut für Verbundwerkstoffe wird zum Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe

Wir freuen uns, dass unser Institut für Verbundwerkstoffe (IVW) durch die Mitgliederentscheidung der Leibniz-Gemeinschaft am 26.11.2020 zum 1. Januar 2021 in die große Familie der renommierten Leibniz-Einrichtungen aufgenommen wurde und nun unter dem neuen Namen „Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe GmbH“ firmiert. Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 96 eigenständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften.

https://www.leibniz-gemeinschaft.de/

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